Königswartha 1655
Auszüge aus dem Beitrag im Amtsblatt unserer Gemeinde vom Januar 1999 unseres
damaligen Ortschronisten Herrn Dr. G. Merla:
"Eine bis jetzt unbekannte Beschreibung von Königswartha aus dem Jahre 1655
Von Herrn
Matthias Pfeifer, Sächs. Landesanstalt für Landwirtschaft, Referat Fischerei, erhielt
ich kürzlich für die Orts-Chronik und das Amtsblatt „Königswartha – aktuell“
einen bisher unbekannten Beitrag zur Kenntnis der Ortsgeschichte. Mit
einleitenden Worten weist Herr Pfeifer unter anderem auf die bis jetzt erste
stichhaltige Erwähnung zur Funktion unserer bekannten Hammermühle am
Schwarzwasser hin. Die Mühle diente seinerzeit als sog. Eisenhammer bei der
Verarbeitung des bei uns oberflächennah vorkommenden Raseneisensteins. Nicht
zuletzt hebt er auch die bereits vor rund 350 (?) Jahren vorliegende größere
Anzahl von Fischteichen im Bereich von Königswartha hervor. Nachstehend geben
wir die Einführung von Herrn Pfeifer zum aufgefundenen historischen Beleg,
seine wertende Einschätzung sowie schließlich die ursprüngliche und eine
modernisierte Fassung (zum leichteren allgemeinen Verständnis) des
Schriftstückes wieder. Damit kommen wir dem Anliegen von Herrn Pfeifer nach und
dürfen ferner gleichfalls den Interessen vieler heimatkundlich aufgeschlossener
Leser unserer Gemeinde entsprechen.
G. M.
Herr M. Pfeifer legte dar:
Beim
Quellenstudium zur Geschichte der Teichwirtschaft in der Oberlausitz wurde
durch den Historiker Dr. Hartstock im Sächsischen Hauptstaatsarchiv,
Außenstelle Bautzen, eine bislang unbekannte Quelle zu Königswartha gefunden.
Es handelt sich dabei um eine Beschreibung von Königswartha aus dem Jahre 1655.
Diese Beschreibung ist jedoch unter den Akten der Standesherrschaft Muskau
abgelegt. Die Gründe sind vorerst noch unklar, möglicherweise sollte hier ein
Verkauf vorbereitet werden, denn diese Beschreibung gleicht einem Inventar. Es
war die Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg. Insofern ist interessant, ob
die Folgen noch spürbar waren. Von besonderer Bedeutung dürfte dabei die
Erwähnung eines Hammerwerkes mit Schmelzvorrichtung sein. Auch das Teichgebiet
mit 32 Teichen muss annähernd die heutige Ausdehnung erreicht haben, wobei durch
die Existenz des Eisenhammers vieles auf die Verarbeitung von Raseneisenstein
deutet. Auch dies hat sicher die Entstehung von Teichen begünstigt. Erstaunlich
ist ebenso das Vorhandensein massiver steinerner (mit Dachziegeln) bedeckter
Gebäude eines Vorwerkes kurze Zeit nach dem verheerenden Krieg. Davon gibt auch
die geringe Zahl von besitzenden Untertanen (4 Großbauern, 4 Großgärtner und 8
Kleingärtner) Zeugnis, wobei die unvermögenden Häusler ungezählt bleiben. Auch
ihre der Herrschaft schuldigen Dienste werden kurz beschrieben. Für Landwirte
mag aufschlussreich sein, wie die in jeweiliger Richtung liegenden Flächen
beurteilt wurden.
Beschreibung des Dorfes Königswartha
Das Dorf Königswartha liegt auf ebenem Platze, wodurch ein Fluss fließt, welcher eine Mahlmühle mit zwei Gängen, eine Brettmühle, und 100 Ruten¹ hinunterwärts einen Hammer mit einer Schmelze treibt. Hat ganz ebene Felder, auf der Seite nach Muskau zu liegt guter milder Sommer-Acker, nach Bautzen zu sandiger Korn-Acker, nach Kamenz zu guter schwarzer Sommer- und Korn-Acker, und nach Spremberg zu Weizen und zu allerhand Früchten (zu gebrauchender) guter Acker, hat gute und meistenteils an einem Stücke gelegene Wiesen. Wenn aber nach vielen und langen Regen, große Wassergüsse kommen, soll das Wasser (wie hier geschehen) die Wiesen meistenteils beziehen (überziehen), das Gras verschlammen, und großen Schaden verursachen. Hat viel und zum Bauen tüchtiges Bauholz, liegt aber weit und fast über eine halbe Meile² vom Dorfe nach Spremberg zu.
Hat 32 große und kleine Teiche. Eine vom Dorfe nicht weit gelegene Ziegelscheune, ltem³ das Vorwerk ist von 3 oder 4 langen Gebäuden aus dem Grunde bis in die Höhe mit festen Feldsteinen ausgeführt und die Dächer mit Ziegeln belegt.
4 Großbauern, fahren alle Tage zu Dienste.
4 große Groß-Gärtner, müssen alle Tage Mannspersonen gehen,
8 Klein-Gärtner, gehen alle Tage Mägde und viele kleine Häusler.
Datum Königswartha
den 14. August 1655
Michael Hoffmann
Landmesser manus propria⁴
1 Rute: Längenmaß etwa 4,5 m
2 Meile: etwa 9 km
3 Item: ebenso, ferner
4 manus propria: eigenhändig
A.Rentsch, Oktober 2025