Direkt zum Seiteninhalt

Traditionen - Geschichtsverein RAK e.V.Königswartha

Königswarthaer Geschichtsverein-RAK
Königswarthaer Geschichtsverein RAK e.V.
Stawizniske towarstwo "RAK" w Rakecach
Menü überspringen
Menü überspringen

Traditionen

Bräuche und Traditionen im Jahreslauf
Bräuche gab es in allen Regionen. Bei uns waren es sorbische Bräuche, die teilweise noch heute gepflegt werden. Commerau ist mein Heimatort und deshalb beziehen sich meine Erinnerungen hauptsächlich auf Commerau.
Am 25. Januar wurde Vogelhochzeit – Ptači kwas –gefeiert. Sie symbolisierte den Frühling und die Fruchtbarkeit. Als Kinder haben wir am Vorabend einen Teller ans Fenster gestellt und früh war er mit einer „Sroka“(Elster aus Teig) und Süßigkeiten gefüllt. Unsere Bäcker backen heute noch das typische Gebäck, z.B.die beliebten Cremenester und Teigvögel. In den Wintermonaten gab es in den Dörfern Spinnstuben. Dort trafen sich die jungen Mädchen und Frauen zum gemeinsamen Spinnen von Schafwolle oder Flachs.
In der Commerauer Chronik wird eine Spinnstube erwähnt. Um 1830 gab es hier 2 Spinnstuben. Die jüngeren Mädchen gingen zu Bauer Syckor, die älteren – Hausmädchen und Großmägde – zu Bauer Michauk.
Spinnstuben gab es wohl in jüngerer Zeit nicht mehr, aber ich kann mich noch gut an die Federnschleiße erinnern. In unserer großen Stube wurde der große Tisch ausgezogen und ringsum saßen die Frauen aus dem Dorf. Wir Kinder haben auch mitgemacht. Das war eine gute Gelegenheit sich auszutauschen —sozusagen ein Dorftratsch. Nach der Arbeit wurde reichlich aufgetischt, die Bauern hatten ja im Winter ein Schwein geschlachtet.

                             Federnschleiße bei Benads

Und dann kam der Fasching. Wir Kinder in Commerau haben uns verkleidet
und sind von Haus zu Haus gegangen und haben gesungen „Ich bin der kleine König“. Dafür haben wir Süßigkeiten und manchmal auch paar Münzen bekommen. Für die Commerauer Dorfjugend war es in jedem Jahr ein Höhepunkt. Verkleidet und mit Musik zogen sie meist schon vor Faschingsdienstag durch das Dorf. Abends wurde dann gefeiert und die gesammelten Eier, Getränke und andere Leckereien verbraucht.


Zampern in Commerau 1958 …


… und Maskenball zum Weiberfasching
Unsere Commerauer Jugend veranstaltet auch jetzt noch das jährliche Zampern und wir freuen uns sehr, dass sie unsere Traditionen weiterführt und damit das Dorfleben sehr bereichert. Das Wort Zampern leitet sich vom sorbischen „camprowanje“ (Heischen, Einfordern) ab.


Zampern 2026 in Commerau

Nach dem Fasching kommt Ostern. Zu Ostern haben die Kinder bei ihren Paten die traditionelle Ostersemmel - ein aus Semmelteig geflochtener Mohnzopf -und bunte Ostereier abgeholt. Traditionell wurden die Eier zusammen mit Zwiebelschalen gekocht und hatten dadurch eine schöne braune Farbe.
Später wurde bei uns das Ostereierverzieren mit der Wachstechnik durch die Domowina-Ortsgruppe und die DFD-Frauen organisiert.
In dem Versammlungsraum bei Elles trafen sich die Kinder und Frauen zum gemeinsamen Verzieren.
1995 Eierwachsen in Commerau
Die Domowina-Ortsgruppe hat in diesem Jahr die Tradition wieder aufleben lassen und zu einem Vortrag mit anschließendem Verzieren der Eier eingeladen. „Nach den roten Eiern gehen“ (“Po čerwjenejejka hić”)– Das sorbische Osterei zwischen Brauch, Sprache und Symbolik –war das Thema. Frau Schindler, vom Sorbischen Institut in Bautzen, war die Vortragende, die auch die Technik erklärte und beim Verzieren unterstützt hat.

2026 in Commerau im Jugendclub

Das Hexenbrennen ist in der Nacht zum 1. Mai (Walpurgisnacht)in der Lausitz eintief verwurzelter Brauch um den Winter zu vertreiben und böse Geister abzuwehren. Deshalb wurden auch zum 1.Mai vor dem Tor junge Birken aufgestellt und an den Ställen Birkenzweige befestigt. So konnten die bösen Geister keinen Schaden anrichten. Der Aberglaube war noch bei den Menschen verbreitet. Ich weiß noch, dass es in Commerau eine Frau gab, die die Bauern nicht in ihre Ställe gelassen haben, weil es hieß, dass sie Tiere verhexen kann.
Das Maibaumwerfen war auch eine alte Tradition in den Dörfern unserer Region. Zuvor musste aber der Maibaum vor dem 1. Mai aufgestellt sein, damit das Maibaumwerfen dann ein schönes Dorffest wurde, mit abendlichem Maientanz. Der Maibaum durfte nicht vor dem Maibaumwerfen abgesägt werden, wie das gern die Jungen aus den Nachbardörfern gemacht haben. Deshalb wurde er bewacht. Sonst durfte nämlich 7 Jahre keiner mehr aufgestellt werden. Mit dem Hexenbrennen war es ebenso; der Haufen durfte nicht vorzeitig abgebrannt sein, sonst hätte das Dorf auch 7 Jahre kein Hexenbrennen.

Foto: A.Hager und Commerauer Chronik / Text: A.Hager - im März 2026

 Besucherzähler
10.04.2026
Zurück zum Seiteninhalt