Ackerbürgerhaus Markt - Geschichtsverein RAK e.V.Königswartha

Königswarthaer Geschichtsverein-RAK
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Ackerbürgerhaus Markt

Ehemaliges Ackerbürgerhaus -  Am Marktplatz
 
 
Ob beim sonntäglichen Spaziergang durch unsere Gemeinde oder beim Besuch einer altertümlichen Stadt im Urlaub – haben Sie sich auch einmal bei dem Gedanken ertappt – was wäre, wenn uns das Gebäude seine Geschichte erzählen könnte? Das kann es nicht!
Diese Geschichten können am glaubwürdigsten die Bewohner erzählen. Sie haben Erinnerungen ihrer Vorfahren, Fotos, Dokumente und Überlieferungen, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Unser Geschichtsverein möchte diese Geschichten recherchieren und damit bewahren. Dabei sind wir auf die zwanglose Mitarbeit unserer Bürgerinnen und Bürger angewiesen. „Geheimnisse“ sollen „Geheimnisse“ bleiben und Erwähnenswertes wird verantwortungsvoll genutzt.In diesem Sinn fand das erste Gespräch mit Frau Regina Rentsch statt, welche das Haus
Am Marktplatz 14 „sprechen“ ließ.
Dafür gilt ihr unser besonderer Dank, denn dieses Gespräch fand in angenehm offener und von gegenseitigem Gedankenaustausch geprägter Atmosphäre statt.
Das ehemalige Ackerbürgerhaus „Am Marktplatz 14“ ist weithin sichtbar über dem Eingangsportal mit dem Erbauungsdatum 1857 gekennzeichnet

.


Entsprechend der Aussagen in der „Denkmalliste des Landes Sachsen“ ist das Haus „mit weitgehender Kubatur (Gestalt) und Proportionen“ erhalten. Es ist baugeschichtlich und städtebaulich deshalb von Bedeutung, weil es über „ein profiliertes Portal, Tordurchfahrt, Originaltor mit Wendesäulen und Prellsteinen“ verfügt. Wer Interesse hat, bleibt eine Minute vor dem sicherlich mit viel Mühe sanierten Haus stehen. Man betrachtet ein 163 Jahre altes Haus, welches ein Jahr nach dem Großbrand in Königswartha, bei dem 36 Häuser vernichtet worden sind, geweiht wurde.
Der Besitzer und Bauherr dieser bäuerlichen Wirtschaft war Georg Stiller. 1891 erbt Magdalena verw. Kliemant geb. Stiller den Hof. Dass die alte Wassermühle am Markt und der Hof ab 1930 im engen Zusammenhang stehen, ist darin begründet, dass Erna Frieda Lukas ab 1930 von Ihrer Tante, als Nachfahrin der Familie Stiller, den Hof als Erbe übertragen bekommt. 1940 trägt dann die Besitzerin durch Heirat den Namen Erna Frieda Rentsch.
Nebenbei erwähnt, da der Name Rentsch in unserer Gemeinde keine Seltenheit ist, sprechen ältere Bewohner von „Lukas-Rentsch“. Nicht hervorhebend bedeutungsvoll – aber wie nennt man die Anderen mit gleichem Namen?
Da die Erbfolge durch Nachkommen gesichert wurde, ist der Hof innerhalb der Familie vererbt worden. Neben  zu bewirtschaftendem Landbesitz gab es auch auf dem Hof Nutztiere: Milchkühe, Rinder, Schafe, Pferde, Schweine und Kleinvieh.
Wie viele unserer älteren Mitbewohner gleichfalls berichten, musste auch die Familie Rentsch am 19.4.1945 den Ort und damit ihren Hof zurücklassen, um vor den Kriegshandlungen  und -auswirkungen zu flüchten. Was sie nach der Rückkehr vorfanden, deckt sich mit den Aussagen unserer Großeltern bzw. Vorfahren.
Natürlich ist die folgende Zeit bis 1990 nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigegangen. Im Laufe der 1960er Jahre wurden Ländereien, bis auf Felder zum Eigenbedarf, von der LPG übernommen. Die letzten Nutztiere wurden aus familiären Notwendigkeiten 1973 abgeschafft.
Heute erstrahlt der Hof im alten ehrwürdigen Glanz als eines der markantesten Gebäude am Marktplatz. Warum ist dieses Gebäude nicht von der Geschichte der Wassermühle zu trennen? Dazu demnächst mehr. Wie hieß es in einer bekannten Fernsehdoku des DDR-Fernsehens: “Bleiben Sie schön neugierig!“

Ingolf Lang
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29.10.2020
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