Die unvollendete Umgehungsstraße Eutrich – Königswartha von 1940 - Geschichtsverein RAK e.V.Königswartha

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Die unvollendete Umgehungsstraße Eutrich – Königswartha von 1940

Die unvollendete Umgehungsstraße Eutrich – Königswartha von 1940

Mit der ab dem Jahre 1939 geplanten Errichtung der Heeresmunitionsanstalt Königswartha war eine Verlegung der LandstraßeI.Ordnung Nr.47 Eutrich – Königswartha notwendig.
 
Die Straße Nr. 47 bildete die Verkehrsverbindungen Bischofswerda – Königswartha – Klix
 
und führte damals direkt durch das Gelände der zu errichtenden Heeresmunitionsanstalt. Um das später zu unterbinden, war der Bau einer Umgehungsstraße von Eutrich bis zur damaligen Reichsstraße 96Bautzen - Hoyerswerda – heute Bundesstraße 96 – geplant.
 
Die Umgehungsstraße sollte eine Länge von ca. 2,3 Kilometer haben und südlich der Landstraße I. Ordnung Nr. 47 verlaufen.

Bild 1: Auszug aus Messtischblatt 1:25000 von 1939 mit Eintragungen des Autors

Der Bauabschnitt I (im Kartenauszug von Punkt A bis Punkt B/Niesendorfer Straße)hatte eine Länge von nahezu 1,6 Kilometer.Die Trasse sollte weitestgehend einen alten Wirtschaftsweg zwischen Eutrich und Niesendorf nutzen. Die Kostenfür diesen Abschnitt waren mit 181.000,00 Reichsmarkt (RM)veranschlagt.
 
Der Bauabschnitt II (Punkt B bis Reichsstraße 96) war weit anspruchsvoller. Obwohl nur 730 Meter lang, sollte er die Reichsbahntrasse Bautzen– Hoyerswerda und den damals daneben befindlichen Wirtschaftsweg (heute asphaltierter Fußgänger-Radweg), sowie das Schwarzwasser südlich des Niesendorfer Wehres queren. Die Baukosten für diesen Abschnitt waren mit 345.000 RM kalkuliert.
 
Die Eisenbahntrasse solltemit einem gewaltigenÜberführungsbauwerk überquert werden. Nach Abstimmung mit der Reichsbahndirektion Dresden einigte man sich auf eine lichte Höhe des Bauwerkesvon 5,50 Meter und eine Gesamtlänge von 8,90 Meter.
 
Heute kann man noch unweit des ehemaligen Stellwerkes Königswartha W 1,kurz vor dem Ortsteil Niesendorf, die mittlerweile überwachsenen,bis zu 2,5 Meter hohen Aufschüttungenvon der Niesendorfer Straße bis zur ehemaligen Eisenbahntrasse sehen.
 
Weiterhin war vorgesehen, das Schwarzwasser südlich des Niesendorfer Wehres mit einer über 30 Meter langen Wölbbogenbrücke zu überqueren.Die Brücke war mit drei Öffnungen, einer Höhe von ca. 4 Metern bis Geländeroberkante und einer Breite von 7 Metern geplant. Etwa dort,wo sich heutedie Kfz-Werkstatt Eichler befindet, sollten zwei geschwungene Einbindungen auf die heutige B 96 führen. Die lange Brücke ergab sich auch daraus, dass damals das Schwarzwasser zahlreiche Windungen in diesem Bereich aufwies und es nicht so begradigt war wie heute.Sowohlan der geplanten Eisenbahnüberquerung, als auch an der Schwarzwasserbrücke waren insgesamt 11 Bohrlöcher zur Baugrundbestimmung geplant.

Bild 2: Zeichnung (nachgezeichnet) der Wölbbogenbrücke über das Schwarzwasser vom 16.3.1940

Baubeginn für den Abschnitt I war der 3. Mai 1940. Das Unternehmen EdwinGneuss, Bautzen, erhielt den Auftrag. Von Anfang an gab es aufgrund der Kriegswirtschaft Probleme mit Arbeitskräften und Materialbereitstellungen. So sind Schreiben mit Anträgen über die Zuweisung von Heißteer und Dieselkraftstoff mit detaillierten Aufstellungen und Begründungen in den Unterlagen vorhanden.Da das Bauunternehmen Gneuss nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung hatte, wurde bereits am 2. März 1940 die Heeresbauleitung Bautzen um Bereitstellung von 50 bis 60 Strafgefangen für den Bauabschnitt I bis September 1940 ersucht. Der Vergütungssatz für die Strafgefangenen sollte 0,55 RM pro Stunde betragen.
 
Schließlich wird in einem Schreiben einer übergeordneten Dienstelle an die Wehrkreisverwaltung Dresden IV vom 24.5.1941 mitgeteilt, dass nur noch wirklich kriegswichtige Maßnahmen in der Dringlichkeitsstufe verbleiben. Mit Fertigstellung von Bauabschnitt I ist eine Umfahrung der Heeresmunitionsanstalt über die Niesendorfer Straße (damals Landstraße II. Ordnung Nr. 87) nach Königswartha gegeben. Dazu heißt es:
 
Die Fortführung des Neubaus der Landstraße I.Ordnung Nr.47 kann aus diesem Grunde nicht mehr durch Bauarbeiter (Stammarbeiter und Dienstverpflichtete) erfolgen, da diese bei kriegsentscheidendenMaßnahmen dringend gebraucht werden“.
 
Aufgrund des Zweiten Weltkrieges wurde der BauabschnittII nicht mehr begonnen und der Traum von einer Umgehungsstraße Eutrich – Königswarthawar beendet.
 
Informationen und Bild 2 aus Akte 50084-193, StFilABZ

Recherchiert und zusammengestellt von Hans-Joachim Gawor

März 2024


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