RKI im Nationalsozialismus - Geschichtsverein RAK e.V.Königswartha

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RKI im Nationalsozialismus

Vor nicht allzu ferner Zeit gab es 12 Jahre, in denen sich die Gesundheits-Wissenschaft, speziell das Robert Koch-Institut  (RKI), in den Dienst des Nationalsozialismus gestellt hatte. Wie es dazu gekommen ist und welch grauenvolles Fazit daraus gezogen wurde, kann auf der Homepage des RKI nachgelesen werden:

Im März 2011 veröffentliche das Robert-Koch-Institut die Ergebnisse eines von ihm selbst finanzierten Projektes in Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte.  

"...„ … Von 2006 bis 2008 haben Historiker des Instituts für Geschichte der Medizin an der Berliner Charité die Rolle des RKI im Nationalsozialismus untersucht. Ziel des vom RKI initiierten und finanzierten Projekts war, das wissenschaftliche, politische und wissenschaftspolitische Handeln des RKI in dieser Zeit so vollständig wie möglich und ohne institutionelle Befangenheit zu erforschen. Die Ergebnisse wurden in dem Buch „Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus“ veröffentlicht. …“

Seit 2011 erinnert auch ein künstlerisch gestaltetes „Erinnerungszeichen“ am Institut an diese schreckliche Zeit.
„Das Erinnerungszeichen
Robert Koch-Institut – mit offenen Augen
das RKI im Nationalsozialismus –
soll dazu beitragen, der Opfer der verbrecherischen Forschung
zu gedenken, an die vertriebenen Wissenschaftler erinnern und
die Auseinandersetzung mit dem Thema in Gegenwart
und Zukunft lebendig halten.“ …
"… Zwischen 1933 und 1945 war das Robert Koch-Institut, das ehemalige Preußische Institut für Infektionskrankheiten, als staatliche Forschungseinrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens eng in die nationalsozialistische Gewaltpolitik eingebunden. Das Institut unterlag in dieser Zeit einem erheblichen personellen und organisatorischen Wandel. Seine Forschungs- und Beratungstätigkeit stellte es willfährig in den Dienst des NS-Regimes. Im Frühjahr 1933 wurden sämtliche Mitarbeiter jüdischer Herkunft entlassen. Mindestens zwölf Wissenschaftler mussten ihre Forschungen am Institut einstellen.
Der Verlust des Arbeitsplatzes und die zunehmende Diskriminierung zwangen die meisten Entlassenen zur frühen Emigration. Die in Deutschland Verbliebenen überlebten die nationalsozialistische Verfolgung im Versteck oder im Konzentrationslager. 1935 wurde das Robert Koch-Institut dem Reichsgesundheitsamt unterstellt, 1942 in eine selbständige Reichsanstalt umgewandelt.
Bei der Neu- und Wiederbesetzung von vakanten Stellen fiel die Wahl vor allem auf überzeugte Nationalsozialisten. Zahlreiche Wissenschaftler unterstützten die nationalsozialistische Eroberungspolitik und nutzten aktiv die Möglichkeiten zur schrankenlosen Forschung, die das NS-Regime ihnen bot.
Sie regten Menschenexperimente mit oftmals tödlichem Ausgang in Heilanstalten und Konzentrationslagern an und führten diese selbst durch. Mehrere hundert Menschen verloren bei diesen Versuchen ihr Leben.
Nach Kriegsende wurden nur wenige Forscher für diese Verbrechen verurteilt. …“
„… Robert Koch-Institut
mit offenen Augen
man sieht nur, was man weiß
Prof. Dr. Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts
Die Wahrheit ist zumutbar
Auszug von Seite 11
… Für das Übertreten humanistischer Grundsätze, für die Verletzung der Würde und der körperlichen Unversehrtheit des Menschen gab es und gibt es zu keiner Zeit der Welt eine Rechtfertigung. Dies gilt auch, wenn die Mehrheit oder politische Führung ein solches Verhalten toleriert oder gar fordert.
Die wichtigste Lehre aus dieser Vergangenheit des RKI ist, dass jeder Einzelne Rückgrat beweisen muss. Diskriminierung und emotionale Verrohung, unmenschliches Vorgehen, Schutz von Tätern oder eine Unterscheidung in wertvolle und weniger wertvolle Menschen dürfen wir nie hinnehmen. In diesem Sinne soll dieses Erinnerungszeichen „Mit offenen Augen“ einen Anstoß liefern für die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und für eine Zukunft in einem humanistischen Wertesystem. …“   
- Ende der Auszüge
Auch aus unserer Gemeinde wurden Menschen in Konzentrationslager verbracht. Einer darunter war der Cousin meiner Mutter aus Entenschenke. Er litt unter Epilepsie. Unter dem Vorwand, man würde ihm in der dortigen Klinik helfen, nahm er freiwillig die Reise auf. Er kam nicht zurück, nur der Totenschein. Viele Menschen unserer Gemeinde haben den Tross gesehen, der auf der Hauptstraße in Richtung Bahnhof getrieben wurde. Abgezehrte Männer und Frauen in  Häftlingsanzügen. Woher sie kamen, konnte niemand sagen. Zu dieser Zeit war mein Großvater, wie viele andere Männer unserer Gemeinde, im Krieg. Die zurückgebliebenen Frauen konnten diesem Treiben nur hinter dem Fenster zusehen, oder haben sich vor Angst versteckt.
Eine Frau, die zu DDR-Zeiten und auch noch wenige Jahre nach der Wende im Rathaus die Reinigung innehatte, wurde als junge Frau nach Auschwitz verbracht. Sie hatte sich in einen Mann verliebt, der als Feind galt. Die Häftlingsnummer war auf ihrem linken Unterarm tätowiert. Im Internet ist nachzulesen, dass nur Säuglinge und im Lager geborene Kinder eine Ausnahme bildeten. Weil bei ihnen nicht ausreichend Platz am Unterarm war, wurde an anderer Stelle die Nummer eingebrannt, z.B. am  Oberschenkel.
Wenn sie über diese furchtbare Zeit erzählte, dann war das immer mit Tränen verbunden. Sie war sehr froh darüber, dass sie nur wenige Monate in dieser Hölle war, bis die Befreier kamen.

Annemarie Rentsch
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12.11.2022
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