Rittergut Oppitz - Geschichtsverein RAK e.V.Königswartha

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Rittergut Oppitz

Das Rittergut von Oppitz
 
 
Das Rittergut gehörte nach 1900 zum Schloss von Hermsdorf. Besitzer war der Advokat Theodor Apel, dem auch das Rittergut Ermlitz bei Schkeuditz gehörte, wo er auch lebte.
In den 20er Jahren hatte Alfred Heger das Gut gepachtet, danach bis 1945 war Herr Petzold als Verwalter eingesetzt.
Für die Wälder um Hermsdorf und Oppitz war der Revierförster Pfefferkorn aus Hermsdorf verantwortlich, ihm war Förster Filusch aus Oppitz unterstellt.
      - Wohnhaus des Rittergut-Försters Filusch -
 
Nach der Enteignung 1945 erhielten Flüchtlinge im Herrenhaus eine Notunterkunft, später wurden getrennte Wohnungen eingebaut.
 

 - ehem. Herrenhaus (Aufnahme von 2002) -
 
 
Auf dem Giebel des Wohngebäudes, zur Straße zu, befand sich zu DDR-Zeiten ein Storchennest. Dieses Nest war im DEFA-Film „Christine und die Störche“ –  Anlaufdatum 1962 -  zu sehen.
Bei einem Erweiterungsbau 1975 musste der Turm weichen.
Meine Mutter hat im Rittergut viele Jahre als Küchenmagd gearbeitet, an dieser Stelle hieß die Magd immer Lene, egal wie der richtige Name war.
 
Die Turmuhr, die sich nicht im Turm, sondern im Wirtschaftsgebäude auf der Hofseite befand, wurde 1975 dem Schloss Pillnitz übergeben. Laut einem Schreiben (s. nachstehender Schriftwechsel) haben Oppitzer Bürger seither freien Eintritt zur Schlossanlage.
 

- ein Wirtschaftsgebäude – Roter Pfeil: hier war zu DDR-Zeiten eine Sammelstelle für Altpapier, Flaschen und Buntmetalle -
 
 
Diverser Schriftwechsel zur Turmuhr:
„Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Schlossverwaltung Pillnitz
8057 Dresden, Telefon-Nr. 39 817 – am 2.9.1974
Udo Boden, Inspektor
 
 
An die Bürgermeisterin und den Gemeinderat der Gemeinde Oppitz
8601 Oppitz Kreis Bautzen (bei Milkel)
 
 
Betr.: Die Glocken (Seigerschellen) der Uhr des ehem. Rittergutes

Nachdem mein Freund Günter Rapp* aus Görlitz nun schon wegen der Glocken aus dem Uhrturme sowie wegen des alten Uhrwerkes mit Ihnen gesprochen hat, möchte ich Ihnen kurz mein Anliegen vortragen.
Seit meinem Amtsantritt als Schlossinspektor im Schloss Pillnitz im November vorigen Jahres beschäftigt mich u. a. die völlige Wiederherstellung der alten Schlossuhr im Neuen Palais.
Wenn auch das Uhrwerk noch funktioniert, (obwohl es nicht das eigentliche alte aus der Zeit ist), so sind doch die ehemals vorhandenen Glocken während des I. Weltkrieges verloren gegangen. Keiner hat bislang versucht, das Schlagwerk der Schlossuhr wieder zum Leben zu erwecken. Auch meine anfänglichen Versuche, Ersatzglocken zu bekommen, scheiterten bislang.
Nun wusste ich aus Erzählungen meines Freundes Rapp-Görlitz von den alten Seigerschellen auf dem Turme des alten Rittergutes Oppitz und wollte einmal dort mein Glück versuchen.
Inzwischen hat mein lieber Freund schon mit Ihnen gesprochen, so dass ich Ihnen nun nochmals meine Bitte vortragen möchte.
Recht froh wäre ich also, könnten selbige Glocken mit Ihrer freundlichen Hilfe zu uns nach Pillnitz gelangen, ich möchte versuchen, bis zum 25. Jahrestag unserer DDR ganz heimlich, still und leise diese Glocken auf dem Uhrturme des Neuen Palais zu montieren, damit die alte Schlossuhr wieder mit hellem Klange die Stunden anzeigen kann – Stunden einer neuen, schöneren Zeit auch für die Anlagen des Schlosses, welche in unserer Zeit erst so recht ein Quell ständiger Freude werden konnten für die fleißigen Werktätigen aus Industrie und Landwirtschaft und für Millionen interessierter Besucher aus aller Welt.
Wenn es also möglich wäre, dass wir mit Ihrer Hilfe vielen Menschen eine Überraschung bereiten können und ich die Glocken bekommen kann, (gern auch das alte Werk der Uhr), so bitte ich Sie um einen Bescheid. Wenn überdies der Transport nach hier möglich wäre, würden die Staatlichen Kunstsammlungen gern die Transportkosten bezahlen. Ich selbst bin immer im Objekt anzutreffen, Wohnung im Wasserpalaise (elbseitig). Telefon 39 817. In der Hoffnung auf einen günstigen Bescheid verbleibe ich
 
Mit freundlichen Grüßen, Udo Boden“
 
* Günter Rapp war ein bekannter Mühlenforscher aus Görlitz
  
Weiterer Schriftwechsel in Form von Aktennotizen der Gemeinde an die Oppitzer Ratsmitglieder
„ Am 04.09.1974 diesen Brief allen Ratsmitgliedern (Bunk, Mörbe, Kieschnick) vorgelegt und alle waren sie der gleichen Meinung, dass die Glocken und auch das Uhrwerk geholt werden können. Daraufhin habe ich am 4.9.74 nachmittags das Schloss Pillnitz, Inspektor Boden, angerufen und ihn davon verständigt. Er war sehr froh darüber und wird ein Fahrzeug hierher schicken, welches o. g. holen werden.    gez. Nowotny /
 
F. d. R. d. A.: gez. R. Lorenz“
 
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Abschrift der beschriebenen Seite einer Ansichtskarte des Schlosses und Parks Pillnitz – Neues Palais – an den Rat der Gemeinde Oppitz
 
„18.9.74 - Liebe Oppitzer!
Von diesem Turme des „Neuen Palais“ in Pillnitz klingen nun die Glocken Ihres alten Gutes und künden von einer neuen und schöneren sozialistischen Zeit zur Freude aller Besucher. Nochmals herzlichen Dank für Ihr Entgegenkommen.
Mit besten Grüßen gez. Udo Boden Inspektor
Geöffnet noch bis Ende Oktober!
Der Besuch unserer Ausstellung für Sie kostenlos.
 
Herzlich willkommen. (Stempel der Staatlichen Kunstsammlungen)“
 
 
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„Bürger aus Oppitz sind im Schloss Pillnitz immer gern gesehene Gäste und ständig willkommen. Unsere Bürger sollten stets eintrittsfrei in die Ausstellung gelangen. Bei Schwierigkeiten auf Inspektor Boden zurückrufen lassen. Er würde sich sehr freuen, wenn wir einen Ausflug nach dort machen würden und dem Klange der Glocken lauschen könnten.  gez. Nowotny / F. d. R. d. A.: gez. R. Lorenz“
 
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Zumindest im Jahr 2004 haben einige Oppitzer Bürgerinnen und Bürger von diesem Angebot Gebrauch gemacht.
 
  - der Uhrturm auf dem Dach des „Neuen Palais“ mit Oppitzer Ausflüglern. Punkt 12 Uhr konnte die Funktion der Uhr und des Schlagwerkes bewundert werden. Der Eintritt war frei, aber die Führung war zu bezahlen. -


- die Glocken (Seigerschellen) aus Oppitz. Aufschrift auf der oberen Glocke: Alfred v. d. Planitz auf Oppitz –


Aufgeschrieben nach Aufzeichnungen von Herrn Strümpe. Das Fotomaterial stammt ebenso von Herrn Strümpe.                                                                      
 
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04.10.2018
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